Quantensprung in der Milchviehfütterung

Milchfieber, auch als Gebärparese oder Hypokalzämie bezeichnet. ist die mit Abstand häufigste Stoffwechselstörung bei Milchkühen und tritt fast immer bei der Abkalbung auf. Bekannt und auch von außen sichtbar ist meist aber nur die klinische und akute Form des Milchfiebers, bei der die Kühe nicht mehr aufstehen können und „festliegen". Mindestens fünf- bis zehnmal so häufig (bei etwa 50-70 % aller Milchkühe) tritt die subklinische und unsichtbare Form des Milchfiebers auf. Während die akute Form zum Tod führen kann, erkennt man beim schleichenden Milchfieber" meist nur sonstige Symptome, die mit dem Kalziummangel auf den ersten Blick nichts zu tun haben, jedoch durch diesen ausgelöst werden (geringe Futteraufnahme nach dem Kalben, Nachgeburtsverhaltung, Labmagenverlagerung, Acidosen , Ketose, stagnierende Milchleistung, Mastitis oder Fruchtbarkeitsprobleme).


 Ursache von Milchfieber
Wird eine Kuh gemolken, produziert diese in ihrem Stoffwechsel große Mengen an Kalzium. Dieses wird über das Futter aufgenommen, im Euter in die Milch eingebettet und täglich ausgemolken. Wird die Kuh dann am Ende der Laktation trockengestellt, fällt der Kalziumbedarf der Milchproduktion weg und der gesamte Stoffwechsel wird heruntergefahren.
Einige Tage vor der Abkalbung steigt dann die Milchleistung und der Kalziumbedarf wieder sprunghaft an, der Stoffwechsel ist aber noch stark reduziert. Die Aufnahmefähigkeit aus dem Grundfutter, der Austausch zwischen Blut und Knochen und der Stoffwechsel benötigen danach etwa zwei bis drei Tage, bis wieder ausreichend Kalzium für die Milchproduktion zur Verfügung gestellt werden kann. In dieser Zeit kommt es zu einem Mangel an verfügbarem Kalzium und in der Folge zu einer Stoffwechselstörung, da der Kör- per nicht genug Kalzium für die Milch bereitstellt.

 Bisherige Behandlung von Milchfieber
Meist wird Milchfieber erst behandelt, wenn Symptome auftreten. Hier kommen vorwiegend Kalziumpräparate zum Einsatz, die den hohen Bedarf der Kühe decken sollen. Boli und Flaschen mit flüssigem Kalzium haben sich seit Jahren sehr gut bewährt und stabilisieren den Stoffwechsel der Kuh recht zuverlässig. Allerdings werden damit nur die Symptome behandelt, die Begleiterscheinung wie reduzierte Fruchtbarkeit oder geringe Futteraufnahme können noch auftreten. Grund dafür ist die starke Beanspruchung bzw. Schädigung der Leber.
Da jedes Auftreten von Milchfieber die Lebensleistung von Kühen reduziert, ist die Milchfieberprophylaxe einer der wichtigsten Pfeiler für eine erfolgreiche Milchproduktion. Hier kann auch in kleinen Betrieben mit weniger als zehn Milchkühen ein Potential von mehreren tausend Euro liegen.

Neue Ansätze In der Trockensteherfütterung 
Aufgrund des enormen Potentials werden immer wieder neue Strategien entwickelt, um Milchfieber durch vorsorgende Maßnahmen in der Fütterung zu reduzieren.
Die beste Voraussetzung für einen optimalen Start in die Laktation ist die gute Körperkondition zum Zeitpunkt des Trockenstellens. Ist die Kuh zu mager oder zu leibig, kann es zu Problemen bei der Kalbung oder danach kommen. Ziel ist ein BCI (Body Score Index) von 3,0 bis 3,5.
Während der Trockenstehphase (bis zu acht Wochen) sollten die Kühe dann mindestens zwölf Kilogramm Futter in der Trockenmasse aufnehmen. Jedes Gramm Futter, das die Kühe in dieser Zeit mehr fressen, reduziert die Probleme nach der Geburt. Das belegen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen. Um dem steigenden Nährstoffbedarf bei geringerem Pansenvolumen vor der Geburt gerecht zu werden, bedarf es einer sehr hohen Nährstoffkonzentration.
Daher sollten Trockensteher die allerbesten Futtermittel bekommen (bestes Heu, Silomais oder Maiscobs).

Wirkung von sauren Salzen In der Transitphase
Nach neuesten Erkenntnissen spielt die Ionenbilanz (Bilanz zwischen positiv und negativ geladenen Ionen) ebenfalls eine entscheidende Rolle. Da gerade in Südtirol immer wieder extrem hohe Kaliumgehalte (K+) im Grundfutter vorkommen und Kalium als Gegenspieler von Kalzium den Stoffwechsel und die Aufnahme von Kalzium hemmt, ist dies als einer der größten Auslöser von Milchfieber anzusehen.
Zur Milchfieberprophylaxe ist es somit ratsam die Trockensteher kalium- und kalziumreduziert zu lüttem. Dies ist durch den Einsatz von Silomais oder Maiscobs (bis zu 50 Prozent der Ration) und Mineralfuttern mit hohen Phosphor- und Magnesiumgehalten möglich. Dadurch kann Milchfiebervermieden und eine sehr gute Tiergesundheit erzielt werden.
Die wirksamste Möglichkeit zur Vorbeugung des Kalziummangels ist jedoch die Fütterung der trockenstehenden Kühe mit sauren Salzen. Da der Bedarf an Magnesium in der Transitphase eben- falls hoch ist, setzt die Firma Schaumann in ihrem Mineralfutter auf Magnesiumsulfat. Dieses .saure Salz" senkt bei den Kühen den pH-Wert des Blutes ab (pH 5,0 bis 6,0). Dadurch generiert man einen ähnlichen Kalziumbedarf, wie er durch das Ab- melken der Milch innerhalb der Laktation üblich wäre. Sobald die Kuh abkalbt und die Milchproduktion wieder ansteigt, ist der Kalziumstoffwechsel, die Aufnahme aus dem Futter und der Austausch zwischen Blut und Knochen bereits auf einem hohen Niveau und es kommt nicht zum Mangel und damit nicht zu Milchfieber.
Die enthaltenen Sulfationen (S04-) können zudem noch die positiv geladenen Kaliumionen ausgleichen. Der Kalziumstoffwechsel wird dadurch nicht mehr gehemmt und läuft im Verlauf der Kalbung störungsfrei an.

Produkt "Trockensteher fein"
Die LHG hat seit März 2021 eine gebrauchsfertige Kraftfuttermischung in Säcken zu 25 Kilogramm aus Maismehl, Rapsschrot und Weizenkleie im Sortiment. Das Mineralfutter Rindavit VK fit der Firma Schaumann ist hier bereits eingemischt. Das Futter sollte in einem Zeitraum von etwa zwei bis drei Wochen vor dem Kalbetermin bis zum Tag der Kalbung gegeben werden und ersetzt das Anfüttern mit einer Getreidemischung vor der Abkalbung . Die tägliche Menge sollte genau 2,5 kg pro Kuh und Tag betragen, denn die Dosierung des Mineralfutters ist genau auf diese Menge abgestimmt. Somit benötigt man pro Kuh etwa 50 Kilogramm Trockensteher fein zum Preis von lediglich 26 Euro.
Mit diesem Kraftfutter für Trockensteher können die Kühe ohne Mangel und mit einer hohen Futteraufnahme in die Laktation starten. Gesunde, vitale und leistungsfähige Kühe sowie höhere Betriebserlöse für den Landwirt sind die Folge.

von Michael.Wahl@ca.bz.it